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KOMETEN-LEXIKON

Bei der Erstellung unseres Lexikons haben wir die folgenden englischsprachigen Quellen berücksichtigt:
Charles S. Morris: Comet Definitions
IAU: Glossary of (Comet and) astronomical terms
Greg Crinklaw: The Skyhound's Guide to Comets

ABSOLUTE HELLIGKEIT
Die Helligkeit eines KOMETEN am Himmel ist nicht nur von seiner physikalischen und chemischen Beschaffenheit, sondern auch von seiner Entfernung zu Sonne und Erde abhängig. So erschienen die Kometen Hyakutake und Hale-Bopp etwa gleich hell. Doch war letztgenannter 10 mal weiter von der Erde und auch etwas weiter von der Sonne entfernt. Hykutake wäre in dieser großen Entfernung kaum mit bloßem Auge sichtbar gewesen. Um die tatsächliche Helligkeit von Kometen miteinander zu vergleichen, versetzt man sie gedanklich in eine Normentfernung von jeweils 1 Astronomischen Einheit von der Erde und von der Sonne. So erhält man die absolute Helligkeit, welche mathematisch als Ho bezeichnet wird.
APHEL
Als Aphel bezeichnet man der sonnenfernsten Punkt auf der elliptischen Umlaufbahn eines Himmelskörpers um unser Zentralgestirn. So steht der Komet Halley im Aphel seiner Bahn 5281 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.
ASTEROID
Auch als Planetoid oder Kleinplanet bezeichnet. Meist unregelmäßig, manchmal auch annähernd kugelig geformte Gesteinsbrocken von einigen dutzend Metern bis zu einigen hundert Kilometern Durchmesser. Sie bewegen sich bisweilen auf stark elliptischen Bahnen um die Sonne; ihre Gesamtzahl dürfte in die hunderttausende oder Millionen gehen. Die meisten sind nur mit Hilfe großer Fernrohre sichtbar.
AUFLÖSUNG
KOMETENKERNE sind nicht allzu stabile Gebilde. Insbesondere kleinere Exemplare können durch die Hitze der Sonne binnen weniger Tage komplett sublimieren. In anderen Fällen zerfällt der Kern in mehrere größere Bruchstücke, die bei der nächsten Sonnenannäherung weiter zerlegt werden. Bei KURZPERIODISCHEN KOMETEN lässt sich dieser Prozess gut verfolgen. Ein KOMET, der sich gerade im sukzessiven Zerfall befindet, ist Schwassmann-Wachmann 3, dessen Rückkehr im Jahr 2006 deshalb mit großer Spannung erwartet wurde.
Auflösungsprozesse bei Kometen sind oft von einem plötzlichen HELLIGKEITSAUSBRUCH begleitet.
BAHNSTÖRUNGEN
Gravitationswirkungen eines Himmelskörpers auf einen anderen beeinflussen dessen Bahn. Man spricht daher von Bahnstörungen. Insbesondere der Planet Jupiter mit seiner riesigen Masse kann die Bahnen von KOMETEN, die in seiner Nähe vorbeiziehen, massiv beeinflussen. Solche Störungen müssen bei Bahnberechnungen berücksichtigt werden.
ASTRONOMISCHE EINHEIT (AE)
Die mittleren Entfernung zwischen Erde und Sonne wird als Astronomische Einheit (AE, englisch AU von astronomical unit) bezeichnet. Es gilt: 1 AE = 149597870 km. Entfernungen im Sonnensystem werden häufig in AE ausgedrückt.
DC-WERT
Der DC-Wert (von engl. Degree of Condensation) gibt an, wie stark die Helligkeit der KOMA vom Rand zum Zentrum hin zunimmt. Je höher DC ist desto kleiner ist in der Regel der Koma-Durchmesser. Ein total diffuser KOMET ohne Helligkeitszunahme Richtung Zentrum erhält den DC-Wert 0. Bei DC=3 bis DC=5 ist ein deutlicher Helligkeitsgradient zu verzeichnen. Bei DC=7 ist der Gradient bereits sehr steil und bei DC=8 ist die Koma sehr klein, dicht und intensiv leuchtend mit gut erkennbaren Grenzen. Bei DC=9 hat die Koma ein sternartiges Aussehen und erscheint nur in sehr geringem Maß unscharf.
ELONGATION
Als Elongation bezeichnet man den Winkelabstand eines Himmelskörpers von der Sonne. Helle KOMETEN haben oft eine geringe Elongation von der Sonne und sind nur in den Dämmerungsphasen, nicht aber am dunklen Nachthimmel zu beobachten. Grund dafür ist, dass erst die große Sonnennähe zur optimalen Entwicklung der Schweifsterne führt.
EPHEMERIDEN
Als Ephemeriden bezeichnet man Tabellen, in denen die Positionen von Sonne, Mond, Planeten, KOMETEN und anderen Himmelskörpern unseres Sonnensystems am Himmel verzeichnet sind. Bisweilen werden die Daten nicht für jeden Tag, sondern für jeden 5. oder 10. Tag angegeben. Häufig werden die Tabellen bei Kometen durch Daten zur erwarteten Helligkeit und zum erwarteten scheinbaren Durchmesser der KOMA ergänzt.
FALSE NUCLEUS
Englischer Fachbegriff, der für die hell leuchtende, undurchsichtige innere KOMA benutzt wird, die den Eindruck eines KOMETENKERNS erweckt (diesen aber in Wirklichkeit den Blicken entzieht).
GEGENSCHWEIF
Bei manchen KOMETEN - das wohl bekannteste Beispiel ist der Komet Arend-Roland aus dem Jahr 1957 - zeigt sich ein zusätzlicher SCHWEIF, der nicht von der Sonne weg-, sondern zu ihr hingerichtet ist. Ursache sind Staubpartikel, die so groß sind, dass sie nicht vom Sonnenwind weggedrückt werden, sondern im Orbit hinter dem Kometen zurückbleiben. Wenn wir zufällig von der Seite auf diese Partikelwolke schauen, wird sie als Gegenschweif sichtbar.
GEOZENTRISCHE ENTFERNUNG
Die Entfernung eines Himmelskörpers von der Erde oder genauer: von deren geometrischem Zentrum, angegeben in ASTRONOMISCHEN EINHEITEN. Die mathematische Bezeichnung für die geozentrische Entfernung ist Δ.
HELLIGKEITSAUSBRUCH
KOMETEN zeigen gar nicht so selten plötzliche, nur wenige Stunden oder Tage anhaltende Helligkeitsausbrüche, die durch die Freisetzung größerer Mengen von Gas und Staub verursacht werden. Dies geschieht z.B. auch, wenn sich der Komet AUFLÖST. Unerwartete starke - durchaus um mehrere Größenklassen - Helligkeitsanstiege sind deshalb oftmals das erste Indiz für einen Auflösungsprozess.
HELIOZENTRISCHE ENTFERNUNG
Die Entfernung eines Himmelskörpers von der Sonne oder genauer: von deren geometrischem Zentrum, angegeben in ASTRONOMISCHEN EINHEITEN. Die mathematische Bezeichnung für die heliozentrische Entfernung ist "r".
KONJUNKTION
Wenn sich zwei Himmelskörper (des Sonnensystems) von der Erde aus gesehen in der gleichen Richtung befinden, so stehen sie in Konjunktion zueinander. In seltenen Fällen kann es dabei auch zu einer gegenseitigen Bedeckung kommen. Die Konjunktion eines hellen KOMETEN mit einem Planeten gehört zu den sehenswertesten Himmelsschauspielen. Wenn ein Komet in Konjunktion zur Sonne steht, ist er von der Erde aus in der Regel nicht sichtbar, weil das Tagesgestirn ihn überstrahlt. Seltene Ausnahmen sind die sogenannten SUNGRAZER.
KOMA
Wenn ein KOMET sich der Sonne nähert, erwärmt er sich und die gefrorenen Gase sublimieren. Dadurch werden auch die mit Ihnen verbackenen festen Partikel freigesetzt. Um den meist nur wenige Kilometer grossen Eisbrocken, den KOMETENKERN, bildet sich eine bis zu 100000 km und mehr durchmessende Wolke aus Gas und Partikeln, die Koma. Wegen seiner geringen Schwerkraft kann der Komet diese "Atmosphäre" nicht festhalten. Ein beträchtlicher Teil des Materials wird durch den Sonnenwind verdriftet und bildet den KOMETENSCHWEIF. Solange der Komet nahe genug an der Sonne ist, wird aus dem Kern fortlaufend Gas und Staub freigesetzt, so dass sich die Koma ständig regeneriert.
Die inneren Bereiche der Koma sind so dicht, dass sie die Sicht auf den Kometenkern vollständig verdecken. Dieser innere Bereich hebt sich durch seine größere Helligkeit oft deutlich von der äußeren Koma ab. In der Fachsprache wird er auch als FALSE NUCLEUS bezeichnet, da der Anblick oft suggeriert, man sähe den Kern des Kometen.
KOMET
Kosmische Körper mit Durchmessern von typischerweise unter 50 Kilometern, die die Sonne auf oft extrem elliptischen Bahnen umkreisen. Im Unterschied zu ASTEROIDEN bestehen Kometen überwiegend aus gefrorenen Gasen und Staub. Bei Annäherung an die Sonne sublimieren die Gase und reißen Staubpartikel mit sich. Dadurch bildet sich die KOMA, aus der durch den Einfluss des Sonnenwindes der KOMETENSCHWEIF entsteht.
KOMETENKERN
Der Kern eines KOMETEN, bestehend aus gefrorenen Gasen, festen Partikeln und Gesteinsbrocken, ist nur mit Hilfe von Raumsonden, die in die umgebende KOMA fliegen, direkt sichtbar. Die vorliegenden Ergebnisse, vor allem vom Kometen Halley, zeigen, dass der Kern von einer fast schwarzen Kruste überzogen ist, aus der an einzelnen Stellen der sonnenbeschienenen Seite Gase und Staub mit hoher Geschwindigkeit wie aus einer Düse austreten und die Koma und den SCHWEIF bilden. Durch den einseitig wirkenden Rückstoß dieser "Jets" kann die Bahn des Kometen beeinflusst werden.
KOMETENKOPF
Der KOMETENKERN und die KOMA bilden zusammen den Kometenkopf.
KOMETENSCHWEIF
Durch die Wirkung des Sonnenwindes wird fortlaufend Material aus der KOMA eines KOMETEN gerissen. Dabei kommt es zu einer Trennung von Gas und Staub. Der Sonnenwind besteht aus geladenen Atomen und Molekülen (Ionen), welche die ebenfalls geladenen Gas-Ionen aus dem Kometen mit hoher Geschwindigkeit wegführen. Das Resultat ist ein bläulich leuchtender Gas- oder Ionenschweif, der stets schnurgerade von der Sonne weggerichtet ist. Das Leuchten des Gasschweifs wird durch Anregung und nachfolgende Energieabgabe der Ionen verursacht - ähnlich wie in einer Leuchtstoffröhre. Der Staub dagegen wird durch den Partikeldruck des Sonnenwindes aus der Koma wegbewegt, und zwar deutlich langsamer als das Gas. Dadurch macht sich die Eigenbewegung des Kometen im Vergleich zur Geschwindigkeit der Schweifpartikel bemerkbar: der Staubschweif ist gekrümmt und sein Winkel zur Sonne ist kleiner als 180 Grad. Wenn der Komet Partikel sehr unterschiedlicher Größe freisetzt, kann der Staubschweif auffächern. Die kleinen Partikel bewegen sich schneller als die größeren. Im Unterschied zum Ionenschweif weist der Staubschweif kein Eigenleuchten auf, sondern reflektiert lediglich das Sonnenlicht.
KUIPER-GÜRTEL
Ansammlung von Kleinkörpern, die überwiegend aus Eis bestehen. Der Kuiper-Gürtel erstreckt sich jenseits der Bahn des Planeten Neptun in einer Sonnenentfernung von 30 bis 50 AE. Nur die größten Objekte können mit Teleskopen beobachtet werden. Durch gravitative Einflüsse, insbesondere des Planeten Neptun, können solche Eisbrocken auf elliptische Bahnen ins innere Sonnensystem abgelenkt werden, wo sie dann als KURZPERIODISCHE KOMETEN in Erscheinung treten.
KURZPERIODISCHE KOMETEN
KOMETEN mit einer Umlaufzeit von unter 200 Jahren werden als kurzperiodisch bezeichnet. Sie werden durch ein "P/" vor dem Namen gekennzeichnet und bekommen zusätzlich eine Nummer. Die korrekte Bezeichnung des Kometen Halley ist z.B. 1P/Halley, Komet de Vico wird als 122P/de Vico geführt. Es wird vermutet, dass die meisten kurzperiodischen Kometen aus dem KUIPER-GÜRTEL stammen.
LANGPRIODISCHE KOMETEN
KOMETEN mit einer Umlaufzeit von über 200 Jahren werden als langperiodisch bezeichnet. Manche Kometen brauchen tausende oder zehntausende von Jahren, um einen Umlauf zu absolvieren. Man vermutet, dass solche Objekte zunächst durch die Schwerkraft vorbeiziehender Sterne aus der OORTHSCHEN WOLKE ins innere Sonnensystem abgelenkt werden. Durch den gravitativen Einfluss der großen Planeten, insbesondere des Jupiter, wird der Komet dann auf eine langgestreckte Ellipsenbahn gezwungen, die sich im Prinzip bei jedem Umlauf weiter verändern kann. So verkürzte sich die Umlaufzeit des Kometen Hale-Bopp nach seiner Passage des inneren Sonnensystems im Jahr 1997 von 4200 auf 2500 Jahre.
m1
Als m1 wird die scheinbare Gesamthelligkeit des KOMETENKOPFES bezeichnet. Sie wird üblicherweise bestimmt, in dem man die Helligkeit des KOMETEN mit der eines Sterns bekannter Helligkeit vergleicht, den man im Fernglas oder Teleskop defokussiert, bis er etwa den scheinbaren Durchmesser des Kometenkopfes hat.
Da die Helligkeit des Kometen auf eine Fläche verteilt ist, erscheint er bei gleicher Gesamthelligkeit wesentlich unauffälliger als ein punktförmiger Stern.
m2
Als m2 wird die scheinbare Helligkeit der inneren KOMA bezeichnet. Dieser Wert wird hauptsächlich für astrometrische Zwecke bestimmt.
METEOR
Ein Objekt, das mit meist sehr hoher Geschwindigkeit (20 - 70 Kilometer pro Sekunde) aus dem Weltraum in die Erdatmosphäre eindringt und dort eine Leuchterscheinung verursacht, wird als Meteor bezeichnet. Täglich dringen zahlreiche Kleinstkörper (sog. Meteoroide) mit Geschwindigkeiten von 10 bis 70 km/s in die Erdatmosphäre ein. Durch die Reibung an den Gasmolekülen erhitzen Sie sich und verglühen. Gleichzeitig wird die Luft entlang der Flugbahn der Teilchen ionisiert. Dadurch (und nicht durch das Verglühen!) entsteht die Leuchterscheinung, die wir als Meteor wahrnehmen. Lediglich größere Brocken erreichen - oftmals bereits fragmentiert - als Meteorite die Erdoberfläche.
METEORSCHAUER
Ein Meteorschauer entsteht, wenn die Erde auf einen METEORSTROM trifft. Dann dringt eine große Zahl von Partikeln gleichzeitig in die Erdatmosphäre ein.
METEORSTROM
Auflösungsprodukte von KOMETEN, die als Partikelwolken um die Sonne kreisen, bezeichnet man als Meteorstrom.
n
In der gängigen Formel zur Berechnung der erwarteten scheinbaren Helligkeit eines KOMETEN [m1 = Ho + 5 log (delta) + 2.5n log (r)] kennzeichnet der Faktor n, wie schnell die Helligkeit des Kometen sich mit der HELIOZENTRISCHEN ENTFERNUNG r ändert.
OORTSCHE WOLKE
Aufgrund verschiedener Beobachtungen postulierte der niederländische Astronom Jan Hendrik Oort eine Ansammlung von millionen oder sogar milliarden von KOMETENKERNEN, die das Sonnensytem wie eine Kugelschale in einer Entfernung von etwa 40000 bis 150000 AE (= 0.7 - 2.3 Lichtjahre) umgeben. Durch die Gravitationswirkung naher Sterne werden ab und an einige dieser Objekte in das innere Sonnensystem abgelenkt. Im Unterschied zum KUIPER-GÜRTEL ist die Existenz der Oortschen Wolke nach wie vor eine - wenn auch sehr plausible - Hypothese; noch nie hat jemand einen entsprechenden Himmelskörper beobachtet.
PARALLAXE
Als Parallaxe bezeichnet man in der Astronomie die Verschiebung der Position eines Himmelskörpers, wenn man ihn von 2 verschiedenen Standorten aus beobachtet. Je näher ein Objekt der Erde ist, umso größer ist seine Parallaxe und umso geringer ist der Abstand, den 2 Beobachter haben müssen, um die Parallaxe zu messen. So reichen einige hundert Kilometer Distanz aus, um die Parallaxe und damit auch die Entfernung des Mondes zu bestimmen, für die Nachbarplaneten Venus und Mars benötigt man bereits mehrere 1000 Kilometer, selbst wenn Sie wie Mars im August 2003 und Venus im Juni 2004 der Erde sehr nahe kommen.
Im Prinzip handelt es sich bei der Parallaxenmessung um eine trigonometrische Peilung.
PERIHEL
Als Perihel bezeichnet man der sonnennächsten Punkt auf der elliptischen Umlaufbahn eines Himmelskörpers um unser Zentralgestirn. So steht der Komet Halley im Perihel seiner Bahn 88 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.
SUNGRAZER
KOMETEN, deren PERIHEL so dicht an der Sonne liegt, dass sie durch deren Korona ziehen, bezeichnet man als Sungrazer. Die meisten Sungrazer überstehen die enge Begegnung mit der Sonne nicht unbeschadet und zerfallen in kleinere Bruchstücke oder lösen sich ganz auf. Größere Kometen können in unmittelbarer Sonnennähe so hell werden, dass sie - stets nur für wenige Stunden oder Tage - am Taghimmel neben dem gleißend hellen Tagesgestirn zu sehen sind.